Wer sich über Populismus ausfregt, der/die erkennt diese Schere an, die dafür sorgt, dass es etwas zum Aufregen gibt: "Die da oben und die da unten" oder die "Intellektuellen und die einfachen Leute" oder die "Reichen und die Armen" oder die "Besserwisser und die Dummen". Egal welche Polarisierung auch greifen soll, es muss einen Abstand geben zwischen zwei Menschengruppen - gleich einem Spiel zwischen Bayern München und SV Horgenzell. Die einen haben die Macht und regieren über das Feld, die anderen sind eher unbekannt und haben bestenfalls eine Stimme zum Abstrafen. Nur deshalb kann Erdogan auf der Welle des Populismus noch reiten, weil ihm über 50 Prozent seiner "Untertanen" vertrauen und ihn deshalb gewählt haben. Erst wenn offenbar wird, dass er die Einfachheit (die Dummheit!?) seiner Mitmenschen genutzt hat, um sich und seinen Clan zu bereichern, erst wenn klar wird, dass die Türkei sich kulturell zurückentwickelt, dann werden die Unkenrufer lauter werden, die den Betrug bemerken und sich auf das andere Ufer bemühen. Bei Orban, Putin und der polnischen Regierung auch bei Trump ist es ähnlich. Staatsmänner und -frauen in anderen europäischen Ländern spüren den Erfolg der Methode und versuchen nachzueilen (Österreich und Italien). Die urdemokratischen Briten haben sich zwar auch verdummen lassen (um einige Prozentpunkte nur), aber sie bemerken den Bluff bereits und beginnen mit Wendemaneuvern.

Populismus ist leicht durchschaubar, weil er einfach und wenig argumentativ auftritt. Statt komplexer Erklärungen nutz er die schale Parole, statt aufwändiger Durchdringungen schießt er mit spitzen Pfeilen, die den Nerv der Umschweifigen treffen. Populismus ist wie das einfache Holzhüttenbauen. Viele begreifen es leicht, es geht scheinbar ökologisch und schnell. Über den Winter redet man im Sommer nicht und dass Holz zwar nachwachsender Rohstoff ist, aber nicht immer das beste Baumaterial wird auch nicht auf den ersten Blick offenbar. Ein Niedrigenergiehaus ist komplexer. Es steckt voller Technik, besteht aus verschiedensten Materialien und braucht futuristische Ideen. Mit Populismus gebaute Holzhütten können sehr stabil und haltbar sein. Im Winter jedoch friert man und bei Regen wird es feucht. Sie haben noch viele weitere Nachteile, die bei genaueren Vergleichen mit anderen Bauweisen und -werken sehr deutlich werden.

Freund*Innen, populistisch ausgedrückt hieße das: Ich möchte nicht ins Mittelalter des Blockhausbaus zurück!

P.S. es ist im populistischen Sinne möglich, dass mir im Titel leichte Buchstabendreher und beiläufige Auslassungen unterlaufen sind: Es sollte wohl "Populismus für People" heißen!

Und: Ich liebe Holzhütten und kenne ihre Vorteile, mein Vergleich hinkt, aber er zeigt wie leicht wir uns verführen ließen...

Aktuell sind 106 Gäste und keine Mitglieder online