Als Vater habe ich jedenfalls - im Gegensatz zu vielen anderen Vätern - mit meinen Söhnen immer ein Verbindungsthema: Den Fußball. Wir vermeiden dadurch unpässliche und anstrengende Gespräche über persönliche Befindlichkeiten. Stattdessen bleiben wir harmonisch und lösen handfeste Probleme: "Wie geht es heute deinem Ball? Hat er genügend Luft?"

Die Themenbreite ist unermesslich in Zeiten der Weltmeisterschaft. Selbst nachdem Deutschland durch sein glorreichen Ausscheiden die Emotionen abflachen ließ, fanden wir neue Hoffnungsträger wie Kolumbien oder die Schweiz. Nachdem diese beiden ebenfalls enttäuschten, entschlossen wir uns den abtrünnigen Engländern beizustehen und die Franzosen als unsere besten Nachbarn zu unterstützen.

Mein Verhältnis zu meinen Söhnen ist damit farbig und abwechslungsreich geworden. Allein meine Töchter leiden am männlichen Fußballwahn - aber um die geht es in diesem Text nicht. Wenn ich mir vorstelle, dass die Weltmeisterschaft demnächst enden wird, dass wir uns dann wieder auf die Freizeitaktivitäten der Dorfgenossenschaft (Am Wochende: Fußball für die ganze Familie!) und im "gehobenen Ortsverein" beschränken müssen, dann schwant mir Schlimmstes: Am Ende finden die Söhne  - animiert durch Impulse aus dem Internet - Gefallen an neuen Fragestellungen:

  • Wie lässt sich das hohe Gehalt von Fußballern in Lateinamerika mit der großen Armut dort erklären?
  • Warum werden Funktionäre fürs Schulterklopfen mehrstellig bezahlt?
  • Und: Weshalb bekommen weibliche Kommentatorinnen soviel Gegenwind vom aufgeklärten männlichen Publikum?

Ich müsste mir neue Gedanken machen, und ich hätte keine schnellen Antworten parat. Unsere Kommunikation geriete ins Stocken und die Beziehung zu meinen Söhnen näherte sich einer wahrhaftigen Krise.

Deshalb bin ich froh, dass der normale Fußballalltag nur wenige Ablenkungen zuläßt:

  • "Wie hoch habt ihr gewonnen?"
  • "Hast du dein Trikot für das Samstagsspiel schon zurecht gelegt?"
  • "Sind die neuen Kickschuhe bereits eingespielt?"

Abwechslungsreich, interessant und aufregend eben!

"Lieber Fußballgott, ich danke dir für diese Tage, für die Weltmeisterschaft im schönen Russland und für die tollen demütigenden Eindrücke, die ich mit der deutschen Nationalmannschaft gewinnen konnte, die mein Leben jetzt so sehr bereichern.

Lieber Fußballgott, ich danke dir, dass du mir den Eintritt in ein gewöhnliches Kloster ersparts, indem du mir mit jeder Niederlage meine eigene Minderwertigkeit und Nichtigkeit vor Augen führst. Ich/wir habe/n es nicht besser verdient."

Wäre ich damals nur einfach spazieren gegangen - ohne Ball und....aber diesen Fehler hat bereits mein Vater vor mir gemacht.

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