Verschoben und mit einem Extrafragment zeigt sich die Fraktur im Röntgenbild. Sie röntgen sicherheitstechnisch - was das Zeug hält: Wirbelsäule, Lunge und die Fraktur in zwei Ebenen. Dann lassen sie mich liegen. Die Triage hatte ergeben, dass es wohl nicht lebensgefährlich sei. Eine schnelle Messung der Körpertemperatur im Ohr bietet keinen Anhalt für Unterkühlung. Ich kam schließlich aus der Hitze des Hochsommers. Der Ambulanzpfleger, fragt noch, ob ich fieren würde - ich verneine - und wie ich versichert sei. Dann bekomme ich dieses Plastikband ums Handgelenk: Damit man mich nicht verwechselt.

Herumliegen in einer klimatisierten Ambulanz, Geräusche, keine Menschenseele, ab und an huscht jemand durch den Nebenraum. Lachen, unterhaltsames Geplauder. Dann steht sie neben mir, die Schwester in blauer Op-Uniform und fragt freundlich, ob ich in der Lage sei die notwendigen Formulare zu unterschreiben. Auf meine verkullerten Augen reagiert sie irritiert: Es sei notwendig und jetzt angesagt. An Lesen und inhaltliches Verstehen ist nicht zu denken. Hier unten müsse ich unterschreiben. Das eine sei für die Versicherung, das andere wegen der neuen Datenschutzregelungen. Zwei Seiten Kleingedrucktes. Ich stöhne vor Schmerzen, kann mich nicht aufrichten und bitte im Liegen unterschreiben zu dürfen. Sie scheint froh, dass ich keinen weiteren Widerstand leiste. Endlich hat sie die geforderten Unterschriften. Ob ich Extraleistungen in Anspruch nehmen möchte!?
Kann kaum atmen vor Schmerzen. Obstschale und Chefarztbehandlung im Einzelzimmer. Ich winke ab und rede von Bürgerversicherung. Sie versteht offensichtlich keines meiner Worte. Nimmt meine Aktivität aber als negative Antwort an und verlässt den Raum.
Der Assistenzarzt ist bereits Facharzt für Chirurgie. Er schaue gerade nach einer Oberaztstelle. Auf meine Einlassung, dass ich ihn um seinen Job nicht beneide, geht er nicht ein, immerhin befindet er sich in Vertretung seines Chefarztes, der mir wahrscheinlich die Rechnung präsentieren wird ohne mich jemals berührt zu haben. Ich habe eine verschobene Schlüsselbeinfraktur mit einem freien Fragment. Man könne es operieren. Der Kollege verabschiedet sich, indem er mir zwei Schmerztabletten in die Hand drückt. Dann lässt er meine Schürfwunden von einer netten Krankenschwester versorgen.

Wegen eines Operationstermins solle ich am Montag Morgen anrufen. Ich wende ein, dass das Telefon dann meistens besetzt ist. Ich solle es nur probieren. Das klappt dann schon irgendwie. Auf sehr wackeligen Beinen - gestützt auf meine Frau - verlasse ich die hohen Hallen, nicht ohne einen wirklich ordentlichen Kurzbrief mitzubekommen.

Echt - papiertechnisch sind wir bestimmt Weltspitze!

Jetzt ist es Dienstag - bin immer noch nicht operiert, habe aber schon mehr als 5 Unterschriften geleistet, einen anschwellenden Aktenhefter und einen dröhnenden Kopf (Schreiben lenkt ab, heißt es doch - oder!?)

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