Diese indifferente Lebensart ist  - ohne jetzt eine Wissenschaft daraus machen zu wollen - bei fast 50 (35-60 %) Prozent der Bevölkerung anzutreffen. Nehmen wir an, es wären nur 25 Prozent. Aus unilogischer Perspektive würde dann ein Viertel der Bevölkerung unfähig sein, sich lebensgerecht zu entscheiden. Nun hat die Demokratie nicht zum Ziel lebensgerecht zu sein - sie möchte die Teilhabe des Volkes an politischen Prozessen - z.B. durch Wahlen. Deshalb ist Demokratie in der aktuellen Version nicht ausreichend und geeignet das Überleben der Weltpopulation zu garantieren. Sie benötigt ein edukatives Update, damit der genannte Anteil der Bevölkerung mitgenommen werden kann auf den Weg in die nächste Dimension humaner Entwicklung.

In Frankreich ist ein großer Teil der Bevölkerung aufgewacht. Er probt den Aufstand gegen die Erhöhung der Lebenshaltungskosten (Benzinpreise, Abschaffung der Vermögenssteuer etc.) und gegen die weitere Einengung des eigenen Lebens auf einen kapitalistischen, fremdgesteuerten Lebensentwurf: "Arbeiten für einen Koffer, der alle Gewinne einsammelt und sich selbst an den Strand fliegen lässt." Die Schere zwischen Arm und Reich wird als Ausdruck von Zentralregierung und Provinz in Frankreich am schnellsten offenbar. Die großen Zentren haben Verkehrsanbindungen und Annehmlichkeiten, die auf dem Lande nur mit viel Input (Benzinkosten und langen Fahrzeiten) erreichbar sind. Deshalb hat diese Revolution der Gelbjacken jetzt ihren Ursprung in der Provinz. Auch Indifferente werden hier aktiv, weil der Druck ihren Lebensstil einschränkt. Aber was muss in Frankreich geschehen, damit die französische und die europäische Einheit gewahrt bleiben können?

Es gibt für mich keinen chinesischen Weg mit einem allmächtigen Führer und auch keinen russischen mit einem narzistischen Geheimdienstler oder gar den Weg der Aristo- oder Oligarchie. Es gibt nur den Weg der "weitergebildeten Demokratie 5.0". Wir benötigen Bildung und Meinungsfreiheit, Vielfalt und Intellekt. Wir benötigen Gelder, um die Kreativität unserer Kinder und die aller Menschen zu unterstützen. Das bedingungslose Grundeinkommen würde dies realisieren. Die Umverteilung der Gelder von einer Handvoll Geizkrägen zum Volk würde dazu beitragen. Die Bedeutung der Schulen und des Bildungswesen muss dramatisch zunehmen. Auf der anderen Seite geht es aber primär um uns, die wir uns berufen fühlen, diese Entwicklung zu fördern. Es liegt an uns, die Stimmen zu erheben und die Welt mit den Thesen humanistischen Weltbürgertums zu beglücken. Es liegt an uns in unseren kleinen soziokulturellen Einheiten dafür einzutreten, dass die ökologische Vielfalt erhalten bleibt und dass die Klimawende erreicht werden kann.

Und es liegt an uns, ob diese Zahl indifferenter Desinteressierter weiter ansteigen wird. Sorgen wir mit Elan und gutem Mut für Unruhe, und stellen wir Fragen, die zum Nachdenken anregen. Schaffen wir Räume für unbequeme Ideen und neue Impulse. Sorgen wir dafür, dass der Plan A (weiter wie bisher!) nicht der einzige bleibt und zeigen wir den Indifferenten, dass Leben viel spannender und aufregender wird, wenn wir es gemeinsam wertschätzen.

P.S.: Mir ist bewusst, dass die Dinge nicht immer so einfach liegen, wie ich sie hier in wenigen Zeilen darstelle - Bildung heißt nicht unbedingt Verbesserung, Demokratie ist keine Garantie fürs Überleben, Messianismus ist kein Menschenrecht, und schließlich...ich weiß natürlich nicht, ob mein vorgeschlagener Weg der beste ist. Aber "einfach weiter so!" macht mir Bauchschmerzen!

 

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