Das schöne Leben ist keine romantisierende Erfindung der Neuzeit. Es schwebt in unseren Köpfen, seitdem wir die Erde bevölkern. Kein Lebewesen, dass nicht gerne chillen würde. Kein Mensch, der nicht ohne Mühe der Muse anheim fallen könnte. Aber da ist noch die Suche nach Anerkennung, das Bedüfnis nach Aufmerksamkeit und Bedeutsamkeit. Wir wollen gesehen und erkannt werden. Wir suchen die Gemeinschaft und deshalb benötigen wir auch die Funktion, die Tat und den Beitrag, der uns hervorhebt.

So mündet der Traum vom Ausstieg nicht selten in ein neues Hamsterrad aus finanzieller Sorge und Beschränkung, aus Struktur- und Planlosigkeit und möglicherweise aus gesellschaftlicher Ächtung. Es geht also um die 'Kunst des Müßigganges' (aus dem Nachlass von Herrmann Hesse ist schon 1973 eine kurze Prosa mit diesem Titel im Suhrkamp Verlag erschienen), um die Fähigkeit das zu bekommen, was man/frau sich so dringlich ersehnt.

Natürlich gibt es kein Patentrezept, und ich schreibe hier, weil ich selbst danach suche. Über die Jahre hin habe ich herausgefunden, dass der erste Schritt mit einer Idee verbunden sein muss oder mit dem ungeheuren inneren Drang es einfach zu tun - aus Überebensnotwendigkeit heraus gleichsam. Allein der Drang ist noch kein Gewähr für das Gelingen. Dafür braucht es in letzter Konsequenz den Einklang mit sich selbst und der Welt, das ALLEINSSEIN. Dieser Zustand ist nicht nur im Ausstieg aus den Zwängen des Alltags erreichbar. Er lässt sich erüben, durch Meditation und Kontemplation, durch Bewusstseinsarbeit und ist damit relativ unabhängig von Zwängen und Fremdbestimmung. Er ist der letzte Schlüssel zum Glück, das Zentrum irdischen Bemühens.

Im Ausstieg schaffe ich mir Zeit und Raum für den Weg zum ALLEINEN. Nicht mehr und nicht weniger. Deshalb ist es auch möglich im Hamsterrad selbst diesen Weg zu begehen. Ob es einfach ist, kann ich nicht sagen. Denn mir fehlt der Vergleich.

Eines jedoch ist sicher: Wir laufen auf dieser Erde unsere Kreise, um zu lernen und zu wachsen. Die Art der Kreise und wie wir sie begehen, bleibt uns selbst überlassen.

Der Himmel strahlt in sommerlichem Blau. Die Kinder toben im kleinen Pool, den wir mit viel Arbeit gestern fertig gestellt haben. Sie lachen und springen und scheinen noch frei zu sein von den reflektierenden Gedankenkreisen der Erwachsenen. Ihre Mutter erscheint auf der Bildfläche und macht sie darauf aufmerksam, dass das viele Wasser wertvoll sei und nicht so achtlos verspritzt werden sollte. Das Lachen verstummt, die beiden scheinen zu verstehen. Die Mutter verschwindet im Haus. Erneut beginnen sie zu spritzen und zu planschen - als wäre nichts geschehen.

Sich etwas Kindliches zu bewahren, das voller reiner Emotion und Freude im Alltag seinen Platz erhält. Das ist ein Schritt in Richtung ALLEINSSEIN. Die Wirklichkeit fordert aber mehr, denn diese Erde ist kein reines Meditationszentrum für begnadete Wohlhabende. Wir müssen täglich die Balance finden, täglich neu erkennen und austarieren, was uns einen Zentimeter voranbringen könnte. Und wir scheitern immer wieder. Das Leben ist eine Sinuswelle! Aber auf dieser Welle lässt es sich reiten mit Lust und großer Freude.

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