In der Konsequenz ist diese keine Kapitalismuskritik im klassischen kommunistischen Sinne, sondern eine Kritik an der aktuellen Praxis der Gewinnverteilung. Gerne kann Gewinn maximiert werden. Er darf jedoch nicht nur ganz wenigen Köpfe vorbehalten bleiben. Ich höre schon die anbrandende Welle der Schreier, die von "Demoralisierung, Demotivierung und mangelndem Wettbewerb" tönen. Aber es geht nicht mehr um die Pfründe einiger weniger Betuchter und Glückseliger. Es geht um das Überleben der gesamten Menschheit!

Je eher wir bereit sind unseren Platz mit anderen Mitmenschen (und Spezies) zu teilen, umso schneller werden wir in der Lage sein, die klimatische Problematik des Planeten umzusteuern. Es ist nicht 5 vor 12, es ist bereits eine Minute vor Irreversibel!

Wir sollten in den Gemeinden, den Dörfern und in den Familien damit beginnen ähnlich zu verteilen. Achtung, es geht nicht um eine "Gleichverteilung". Es geht um eine ausgewogene Verteilung, die den Einsatz und die Arbeitskraft des/der Einzelnen berücksichtigt. Es geht um Basisgerechtigkeit, um das Gefühl für gute Arbeit auch gut bezahlt zu werden. Wie kann es sein, dass ein Spekulant an der Börse mehr verdient als ein Pflegender? Wie kann es sein, dass eine Firmenchefin für ihr katastrophales Management nach Tausenden von Entlassungen noch eine 6- stellige Abfindung erhält? Wie kann es sein, dass verantwortungsvolle Tätigkeiten schlechter entlohnt werden als Unterhaltungsklamauk?

Wir müssen damit beginnen eine Hierarchie der Berufe und Tätigkeiten zu installieren, die der wirklichen Verantwortung und Arbeitsintensität nahe kommt. Es muss doch möglich sein, Spekulanten und Liga-Fußballer auf ein erträgliches Finanzmaß zu begrenzen. Das Argument, dass dann keiner mehr spielen würde, ist in Coronazeiten zum Platzwitz degeneriert. Kein Mensch braucht Fußball und Spekulation, wenn das Leben in Frage steht.

Deshalb ist es endlich an der Zeit, eine weltweite Liste für berufliche Qualifikation und Arbeitsäquivalenz zu erstellen. Diese Tabelle gibt dann Auskunft über die entsprechend anzuwendende Gehaltsspanne im dazugehörigen Berufszweig. Dumpinglöhnen und Milliardärsgehältern wäre endlich ein Riegel vorgeschoben und die wirklich hart arbeitenden Menschen hätten weltweit das Gefühl marginaler Gerechtigkeit. Wer jetzt von Neiddebatte redet und vordergründige Leistungsanreize durch Konkurrenz ins Feld führt, hat nicht verstanden, dass wir das Geld bei den Vielen benötigen, die es wieder breit reinvestieren. Bei den Wenigen schmoddert es in falsche Kanäle (von Oldiefriedhöfen über Privatarmen bis hin zu riesigen Geldbunkern) und richtet am Ende wenn schon kein Unheil, so doch nichts ökologisch Nachhaltiges an.

Wohlgemerkt: Es geht NICHT um eine GLEICHVERTEILUNG, sondern um das Bemühen die objektivierbare Arbeitsleistung zu entlohnen und nicht das Geschick sich Geld anzueignen. Über all dort, wo nicht nachvollziehbare Summen fließen, sollte die Zivilgesellschaft nachhaken und entsprechende Grenzen deklarieren. Es gibt Grenzwerte für Schadstoffe, weshalb führen wir keine für die Gewinnmaximierung ein? Sie wirkt toxisch und verdirbt die Seele.

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