Corona-Massen

Wir vergessen unsere  Bedingtheiten und Bezogenheiten all zu gerne. Autonomie - also Selbständigkeit - und Unabhängigkeit stehen an vorderster Stelle. Auf der anderen Seite sehen: Nur keine einseitigen Zwänge, die das Leben belasten! Nur keine Einschränkung meiner persönlichen Freiheit! Wir schwingen zwischen zwei Antipoden: Freiheit und Bezogenheit! Wir sehnen uns nach Gemeinschaft und Miteinander. Wir wollen Beziehung und Geborgenheit und dabei unsere Autonomie und Freiheit erhalten. Der Alltag fordert Kompromisse und die Wirklichkeit verlangt nach Anpassung.

In Zeiten von Corona mit oder nach CoViD-19, angesichts einer möglicherweise tödlichen Erkrankung, müssen viele Verhältnisse neu bewertet werden. Die Gedanken der letzten Monate lassen sich deshalb auf einen Punkt bringen: Wir brauchen eine neue Ethik der Einkommensverteilung! Natürlich halten Imker Bienen, um Honig zu gewinnen. Aber sie schädigen damit ihre Bienen, die den Honig als Nahrungsvorrat für den Winter anlegen. Je mehr Honig entnommen wird, umso mehr Stress entsteht bei den Bienen. Sie werden anfällig für Schädlinge. Die Logik daraus wäre eine Reduktion der Gewinnmaximierung durch den Imker. Auf Coronazeiten übertragen bedeutet dies schlicht und ergreifend: Reduktion der Gewinnmaximierung durch die kapitalen Industriekomplexe dieser Erde.

Wer kennt das nicht? Jemand nutzt die Gutmütigkeit des anderen. Die soziale Ader oder das schlechte Gewissen des Gegenüber sind leichte Beute für Wünsche und Erwartungen bestimmter Menschen. Doch wann ist eine Erwartung zu hoch angesetzt? Wann wird eine soziale Leidenschaft zu gnadenlos ausgenutzt? Zuerst ist der objetivierbare Status des Mitmenschen einzuschätzen. Dazu bedarf es für alle gültige Merker oder Prämissen, die eine Objektivierung möglich machen. Nicht jeder Nutzen ist auch wirklich für alle ein Nutzen. Was dem einen nützt und Freude bringt, ist des anderen Leid. So schwankt also die Skala des objektivierbaren Nutzens je nach Betrachtungswinkel und Beurteilungsmaxime.

Ist alles nur relativ und gibt es keine Möglichkeit sich eine sichere Position zu verschaffen?

Wenn die Liebe das Leben bestimmt, dann gibt es keine Missgunst und kein Ereifern mehr, dann siegen die sanften Töne vor den rauhen und dann gewinnt meist das Gute, Integrative. Wenn die Liebe ihre Regentschaft antritt, dann gilt:

Die Liebe ist langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt nicht, / sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, / sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. (1.Korintherbrief 13,1–13 Paulus von Tarsus)

Wenn die Liebe die Seele erreicht, dann erhält das Leben eine ganz neue Qualität.

Da ich selbst zu den Scheinheiligen gehöre, fällt es mir leicht zu diesem Thema zu schreiben. In der Tat gebe ich mich besser - scheine also besser - als ich in Wirklichkeit bin. Ich bin bemüht ein gutes Bild nach außen abzugeben und kümmere mich um soziale Belange anderer. Dabei rechne ich mir bestimmte Dinge besonders hoch an und verweise auf die entsprechende Leistung, indem ich bescheiden den Kopf senke und sie gleichzeitig relativiere. Als Pharisäer folge ich also einer Doppelmoral, gebe etwas vor, was ich in Wirklichkeit nicht umsetze. Manchmal gebe ich mich besonders freundlich oder behaupte nichts gewusst zu haben. Oder wussten Sie als aufgeklärte/r StaatsbürgerIn, dass täglich Menschen an Hunger sterben,  dass über 68 Millionen Menschen als Vertriebene gelten und dass es unzählige Krankheiten gibt, die unsere Population dezimieren? Natürlich wussten Sie, dass es Zahlen dazu gibt, und ja, Sie waren sich im Klaren, dass wir nicht alles im Lot haben auf dieser Welt. Und ganz sicher wussten Sie auch, dass Corona keine Spanische Grippe ist und auch keine Grippeepidemie von 2017/18 in den Schatten stellen kann. Die Zahlen von Corona reichen nicht an die durch Tuberkulose Betroffenen, die HIV-Erkrankten, die Lepra- und Cholerakranken, aber mittlerweile an die mit Pneumokokken, Hepatitis, oder gar Meningokokken und Keuchhusten Erkrankten heran.

Weshalb also scheinheilig vorgeben, dass die größte aller Katastrophen im Anmarsch sei, wo doch der ganz normale Wahnsinn regiert?

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