Eine schöne morgentliche Samstagsrunde mit den Rennrädern sollte es werden...dann lief dieser Hund auf die Straße und der Flug war gebucht. Es war nicht geplant und es war sehr, sehr schmerzhaft. Du liegst auf der Straße, bist voller Adrenalin, das Herz klopft wie wild, aber der Geist ist klar wie reinstes Quellwasser. Du schleppst dich von der Straße und brichst an der Bordsteinkante zusammen. Menschen um dich, die dir helfen und dir zureden. Du bist dankbar, dass es sie gibt und lässt dich fallen.

Sie bringen dich ins Krankenhaus. Die Rettungsassistenten sind sehr freundlich und kompetent. Sie sparen den Notarzt - bin ja selbst einer - und besprechen, dass kein Zugang gelegt wird. Schließlich fühle ich mich kreislaufstabil. Ein gewissen Risiko, weil jeder weiß, dass sich das sehr schnell ändern kann. In Seitenlage lässt es sich aushalten. Knie, Hüfte und Schulter sind aufgeschürft. Die Schlüsselbeinfraktur hatte ich bereits beim Aufprall auf den Teer diagnostiziert. Letzte Zweifel verflogen als ich das Knochenende mit der Hand tastete: Disloziert!

Wenn jeder/e tun und lassen könnte, was er/sie möchte, dann wären wir alle frei und vielleicht vollkommen glücklich. Mag sein, dass die kommende Cyberwelt uns diese Freiheiten geben wird, mag sein, dass das Internet uns offener und glückseliger werden lässt, was aber, wenn die lange ersehnte Freiheit plötzlich öde und langweilig wird, weil sie keine Grenzen kennt und schrankenlos kein Ende spüren lässt?

Die Vorstellung von der absoluten Freiheit ist genauso problematisch wie die Idee einer absoluten Kontrolle. In dem Moment, da wir die völlige Grenzenlosigkeit erreicht haben, wird die Unendlichkeit zur Farce...wie der Dauerorgasmus keinen wirklichen Höhepunkt mehr bedeuten würde. Was braucht es also?

Die Welt hat sich in den letzten 50 Jahren tatsächlich verändert: Anstatt mit stinkenden, laut röhrenden, Rauschschwaden hinterlassenden Mofas durch die Straßen zu kreuzen, haben sich elegante E-Bikes etabliert. Sie lärmen nicht, und sie verursachen auf den ersten Blick auch keine Immissionen. Sie sorgen für die Mobilität von Tausenden, die sich sonst nicht oder nur begrenzt auf ein normales Fahrrad trauen würden. In der Tat sind sie trotz des notwendigerweise zu erzeugenden Stroms (z.B. aus Stein- oder Braunkohle) eine Bereicherung im Rahmen der Ökologisierung unserer Mobilität.

Trotzdem sollte dabei nicht vergessen werden, dass sie aus unilogischer Sicht lebensfeindlicher sind - wegen der unökologischen Stromerzeugung (das gilt auch für Solarstrom, wegen der notwendigen Solarplatinenproduktion!) - als herkömmliche Fahrräder.

Deshalb sollter wir nochmals reflektieren...

Menschen werden immer älter und wollen immer jünger bleiben. Wer mit 60 noch juppyhaft durch die Gegend läuft, gibt sich den Anschein des ewig Jugendlichen und verliert aus den Augen, weshalb er/sie den Planeten bevölkert.

Trotzdem gibt es kein Entkommen, die irdische Zeit ist endlich und droht mit der Angst vor dem schweren Finale. Niemand möchte länger leiden, und doch ist das Leiden zentraler Bestandteil des Lebens. Ohne Leiden keine Weisheit. Der geeignete Umgang mit den Nöten führt zu neuen Erfahrungen, die in Leidenchaft münden können.

Heute ist ein Tag zum SOSEIN, zum einfach nur so Dazusein: Ein SOSEIN-DASEINSTAG. Ein Tag ohne Funktion und Auftrag. Ein Tag der Muse. Keine Faulenze, keine Sinnlosigkeit, sondern ein Tag der Betrachtung. Es ist ein Tag, an dem ich die einfache Gemeinschaft liebe, diejenige, die nur so herumschwätzt und nichts besonderes erreichen möchte, die sich gegenseitig belustigt und genießt, dass die Kinder gesund und quirlig sind.

Ein solcher Sosein-Tag ist kein Alltag. Er ergibt sich aus bewussten Entscheidungen, die bestimmten Voraussetzungen gehorchen. Wenn er dann da ist, dann ist er einfach so da.

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