Fragt mich neulich mein Neunjähriger: "Papa, wo liegt eigentlich die Würde?" "Erwischt", dachte ich mir und versuchte Zeit durch einen fragenden Blick zu gewinnen. "Na ja, die reden alle von Würde", meinte mein Zögling; "in der Kirche sagen sie zum Beispiel: Ich bin nicht würdig...! Und wenn ich nicht würdig bin, dann habe ich auch keine Würde, oder!? Ich blickte immer verdutzter und er fuhr fort: "In der Schule haben sie jetzt gesagt, dass das Fußballspiel der Deutschen unseres Landes unwürdig gewesen sein soll. Das habe ich dann überhaupt nicht mehr verstanden."

Ich versuchte eine Erklärung, die sich etwa wie folgt anhörte: Würde hat ursprünglich mit dem Wert, dem Rang, dem Verdienst und dem Ansehen einer Person zu tun. Als Menschenwürde wird sie jedem Menschen beigemessen und ist unabhängig von seinen Leistungen für wen auch immer. Der Mensch als solches, in seinem Sosein, seinem SELBST misst sich also eine Würde zu. Im Prinzip ist es ein theoretisches Konzept, das auf zwei Säulen fußt.

Natürlich war es damals ein Fehler, als ich mit meinem ersten Knirps vor dem Tor stand und ihm den Ball zuschnipste. Irgendetwas hätte ich - meiner Frau gemäß - an diesem Nachmittag mit ihm unternehmen sollen. Spazierengehen wäre anstrengend geworden. Mit zwei Jahren laufen die in alle Himmelsrichtungen. Aber mit einem Ball bewaffnet, gelang es mir ihn im Zaum zu halten. Er folgte dem rollenden etwas wie eine Katze der Maus.

Jetzt ist er erwachsen und genauso fußballkrank wie sein Vater (das war der Fehler).

Die nächste Aufzuchtgeneration liegt epigenetisch näher am väterlichen Talent und spielt bereits im "gehobenen Ortsverein" mit der Perspektive auf überregionale Ereignisse. Hier gilt es bereits erste Herausforderungen auf dem Spielfeld zu bestehen - die zwischen den Elternblöcken, die zum Wohle der spielenden Zöglinge Partei stehen. Schiedsrichterdasein fokussiert sich dann meist auf die Lokationen außerhalb des Spielfeldes, wo Meinungsverschiedenheiten und persönliche Kränkungen beizulegen und zu beseitigen sind.

Es gibt viele Wege, die nach Rom führen und es gibt viele Visionen für eine Zukunft. Eine würde mir Freunde bereiten: Ich versuche sie kurz zu skizzieren; und auch wenn sie weitab von jeder Vollkommenheit liegen mag, so befindet sie sich doch in greifbarer Nähe. Um ihrer habhaft zu werden, wäre es allerdings notwendig sich auf einen Grundkonsens zu einigen. Der basierte zum Beispiel auf Sieben Unilogischen Prinzipien.

Dann wäre es möglich in Frieden zu leben. Es gäbe keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr, nur noch Streitigkeiten, die an Tischen ausgetragen würden. Es gäbe keine Armeen mehr, keine Waffenindustrie und keine Einzelherrscher, nur noch eine Weltpolizei, die lokal für Ordnung sorgen könnte. Regiert würde zur Hälfte vom Volk (das leider nicht immer die besten Entscheidungen trifft) und in der anderen Hälfte von einer Art Exekutivkomitee, das sich aus allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppen zusammensetzten würde (auch hier würden Parlament  - das noch immer vom Volke gewählt würde - und Volk die Auswahl treffen). Am Ende würde also noch immer das Volk bestimmen, aber einen Teil seiner Stimmgewalt auf eine Reflexionsinstanz übertragen, die zu 50 Prozent mitbestimmt, aber keine Parteienbindung aufweist.

Wir sind raus. Es ist endlich aus...mit der Verkauferei von Hüten, Makeup und schwachsinnigem Plastikschlumps. Netto verkauft die Trikots für keine zwei Euro ab. Jetzt also schon für die nächsten vier Jahre zuschlagen. Vielleicht wird es nie mehr so billig. Vielleicht werden sie ja im Katarischen Winter wieder Weltmeister. Im Prinzip kann man davon ausgehen, dass es für unsere Junges in dieser russischen Hitze nicht optimal war. Die Unterkunft genügte zwar postkommunistischen Ansprüchen, aber nicht denen von Weltmeistern und Millionären.

Jetzt sind sie wieder Normalos - also fast. Wenn man ihnen nicht die Gehälter streicht. In der Vorrunde ausscheiden bedeutet - bei schwacher Qualifikationsphase (weil ja Weltmeister) - aus meiner Sicht Gehaltskürzung. Ein Verkäufer, der keine Verträge abschließt, wird vom Chefe Saftiges zu hören bekommen: Gehaltskürzung oder gar Entlassung eingeschlossen...

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